Da wir neben der Beratung und Infoweiterleitung nach bestem Wissen und Gewissen (s.o.) auch seit dem Beginn der Reform vor nun 2 Jahren diese auch selbst versuchen aktiv mitzugestalten, folgt an dieser Stelle auch ein (vorläufiges) Résumé und ein Ausblick auf die Zukunft:

Die noch von BM Polaschek (ÖVP) großspurig angekündigte und von Rektorat und Senat der Uni Wien kraft- und mutlos umgesetzte Reform hat insb. in der Vorphase 2024 mitunter erschreckende Defizite aufgewiesen, auf welche wir immer wieder hingewiesen haben: stv-lehrerinnenbildung.univie.ac.at/lehramtsreform/
Die Phase der Ausarbeitung der Curricula im Kalenderjahr 2025 hat i.d.F. durchwachsene Ergebnisse mit sich gebracht:

- Positiv zu nennen sind die vom Rektorat neu geschaffene Möglichkeit des "versetzten Studierens", die zum Ende des BEd einen hoffentlich bruchloseren Einstieg in den MEd ermöglicht und etwa die reformierten UFs Ethik sowie Geschichte und polit. Bildung. An diesen Stellen wurde gezeigt, dass bei entsprechendem Willen und etwas Beharrlichkeit lange bestehende Probleme im LA-Studium durch klug durchdachte curr. Reformschritte tatsächlich hinsichtlich einer Lösung oder zumindest einer Linderung angegangen werden können.

- Licht und auch (tlw. lange) Schatten sind in den sprachlichen und naturwiss. UFs auszumachen. Als Beispiel sei hier das neue "Fachbündel" Informatik und digitale Grundbildung zu nennen, welches einige der fürchterlichen Defizite der alten Curricula ausgleichen konnte - jedoch auch neue Probleme schafft, da dieses Mangelfach durch die zwar versprochene, aber nicht umgesetzte Verkürzung der Studiendauer nun wohl weiter an Attraktivität einbüßen und den bereits bestehenden Mangel an kompetent ausgebildeten Lehrkräften in diesen (auch KI umfassenden) Zukunftsfeldern verschärfen könnte. Es ist völlig unverständlich, weshalb an Stelle des unausgegorenen "Fachbündels" Seitens der Unileitung nicht eine entsprechende Spezialisierung in den Feldern Digitalisierung und KI im Bildungsbereich auf den Weg gebracht wurde, die auch Studierenden jenseits des UF Informatik offen stehen und die in jeder Hinsicht bessere Lösung für die nun verschärfte Gesamtproblematik gewesen wäre.

- Versagen auf ganzer Linie muss etwa den handelnden Akteur*innen im MEd UF PP bescheinigt werden: hier ist tatsächlich praktisch alles eingetreten, was wir (als 10 Punkte umfassende Befürchtungen) bereits vor fast 2 Jahren ggü. den Entscheidungsträger*innen der Uni Wien aufgezeigt haben: 

stv-lehrerinnenbildung.univie.ac.at/lehramtsreform/positionspapier-der-basisgruppe-lehramt-bla-zur-lehramtsreform/


Darüber hinaus hat die Unileitung komplett die Augen verschlossen vor den Zukunftsfeldern Demokratie- und Medienbildung, so wie auch etwa dem Themenfeld Klima und Nachhaltigkeit. Auch diese Dinge haben wir in detaillierten Reformvorschlägen (entsprechend abgestimmte Spezialisierungscurricula nach dem Vorbild der IP) vor bereits 3 Semestern eigefordert - was jedoch bis zum heutigen Tag nicht entsprechend zur Kenntnis genommen oder gar in der Curricularentwicklung berücksichtigt wurde. Mittlerweile scheint selbst das Bildungsministerium die Tragweite dieser Versäumnisse erkannt zu haben und hat eine entsprechende Reform des Fächerkanons inkl. neuem UF "Medien und Demokratie" angekündigt. Ob Rektorat und Senat in dieser Sache nun endlich die Konsequenzen ziehen und ebenso auf die Reformvorschläge der Bagru Lehramt einschwenken - die eine qualitativ hochwertige Ausbildung dieser Lehrkräfte deutlich besser gewährleisten würden, als das nun halbherzig ausgearbeitete neue Gesamtcurriculum - werden die kommenden Studiensemester zeigen: 

kurier.at/politik/inland/gymnasium-medienbildung-eigenes-unterrichtsfach-latein-christoph-wiederkehr/403126640